Eine Saison Pause

++ Offizielle Pressemitteilung ++

Berchtesgaden (bsd/12.08.2019)

Dajana Eitberger, Olympiazweite von PyeongChang 2018, ist schwanger und wird im Februar 2020 ihr erstes Kind zur Welt bringen. Die 28-jährige Ilmenauerin, die im Frühjahr zu ihrem Freund nach München gezogen ist, und weiter für den RC Ilmenau startet, möchte ihre sportliche Karriere in der übernächsten Saison 2020/21 weiter fortsetzen. Die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking und die Heim-WM 2023 in Oberhof sind sportliche Ziele, die sie sich auch als junge Mutter weiter erfüllen möchte.

„Die Schwangerschaft war eine freudige Überraschung, auch wenn die Nachricht für mich als Leistungssportlerin zum ungünstigsten Zeitpunkt kam. Ich habe mich nach der letzten Saison lange damit beschäftigt, ob und wie es für mich weitergehen soll. Als ich nach meinem Umzug nach München alles in die Wege geleitet hatte und meine Planung stand, wie und wo ich trainieren würde, kam das Leben auf einmal mit einer besseren Idee um die Ecke", erklärt Dajana Eitberger.

„Jetzt spornt es mich an, Sportdeutschland zu zeigen, wie es andere Sportlerinnen schon gemacht haben, dass es auch als Frau geht, eine Familie zu gründen und trotzdem Leistungssport weiter zu betreiben. Ich werde dieses Jahr aussetzen und nächstes Jahr einfach ein bisschen mehr ranklotzen. Die Olympischen Winterspiele Peking 2022 sind auf jeden Fall das Ziel. Ich habe bei den letzten Spielen Blut geleckt und möchte es noch einmal erleben. Und meine Rolle als Botschafterin für die FIL Rennrodel WM 2023 ist mir sehr wichtig. Ursprünglich wollte ich dort das Ende meiner Sportgeschichte schreiben, und das möchte ich auch so realisieren", so die 28jähige weiter.

Bundestrainer Norbert Loch erklärt: „Für Dajana privat und persönlich ist es ein sehr schönes Erlebnis und dazu wünsche ich ihr auch alles Gute. Sie hat mir mitgeteilt, wie sie sich ihre weitere sportliche Karriere vorstellt. Sie möchte zurückkommen und wird nächstes Jahr wieder richtig ins Training einsteigen, um im vorolympischen und hoffentlich auch im olympischen Jahr wieder mit Erfolgen bei uns im Team dabei zu sein. Sie wird dafür von uns alle Unterstützung bekommen, die sie benötigt. Ich wünsche ihr alles Gute und freue mich für sie."
Informationen dazu, wie es Dajana Eitberger nach der durchwachsenen letzten Saison ergangen ist, wieso sie an dem Punkt war, aufzuhören, und wie sie an ihrem neuen Wohnort München neu durchstarten möchte, lesen Sie im Anschluss.

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Dajana Eitberger, Olympiazweite von PyeongChang 2018, ist schwanger und wird im Februar 2020 ihr erstes Kind zur Welt bringen. Das Karriereende schließt die 28-jährige Ilmenauerin, die trotz Wohnortwechsel weiter für den RC Ilmenau startet, aber aus. Im Gegenteil: Sie möchte Sportdeutschland zeigen, dass es auch als Frau geht, eine Familie zu gründen und trotzdem Leistungssport weiter zu betreiben. Die Olympischen Winterspielen in Peking 2022 und die Heim-WM 2023 in Oberhof sind sportliche Ziele, an denen sie weiter festhält. Wie es ihr nach der durchwachsenen letzten Saison ergangen ist, wieso sie an dem Punkt war, aufzuhören und wie sie an ihrem neuen Wohnort München neu durchstarten möchte – darüber haben wir mit ihr gesprochen. 

An eine Spitzensportlerin muss die Frage erlaubt sein: War Deine Schwangerschaft geplant oder eine freudige Überraschung?

Es war definitiv eher eine freudige Überraschung, wobei sich die Freude auch erst im Laufe der Wochen einstellte. Für mich als Leistungssportlerin kam die Nachricht schon zum ungünstigsten Zeitpunkt. Ich habe mich nach der letzten Saison lange damit beschäftigt, ob und wie es für mich weitergehen soll, und habe letztendlich den Entschluss gefasst, meinen Wohnort zu wechseln. Ich bin zu meinem Freund in die Nähe von München gezogen, und als ich alles in die Wege geleitet hatte und meine Planung stand, wie und wo ich trainieren würde, kam das Leben auf einmal mit einer besseren Idee um die Ecke. Wir mussten für uns erstmal klären, wie wir mit dieser neuen Situation umgehen, vor allem wie es dann für mich als Leistungssportlerin weitergeht. Wir haben uns für das Abenteuer Kind und Sportkarriere entschieden und freuen uns auf diese neue, schöne Aufgabe.

Werden wir Dich als Rennrodlerin wiedersehen?

Das ist etwas, was ich mir auf die Fahne geschrieben habe! Natürlich kam mit der Nachricht erstmal der Gedanke, dass ich jetzt nicht mehr das weitermachen kann, was mich bisher ausgezeichnet hat, was mir im Herzen brennt. Ich wollte zwar einen Neuanfang, aber eigentlich nicht auf diese Art und Weise, sondern in einem anderen Umfeld und mit anderem Aufwand. Jetzt wird der Aufwand nochmal größer, aber es spornt mich an, Sportdeutschland zu zeigen, wie es andere Sportlerinnen schon gemacht haben, dass es auch als Frau geht, eine Familie zu gründen und trotzdem Leistungssport weiter zu betreiben. Ich werde dieses Jahr aussetzen und nächstes Jahr wieder voll angreifen.

Die Olympischen Spiele 2022 in Peking und die Heim-WM 2023 in Oberhof sind demnach noch sportliche Ziele?

Peking 2022 ist auf jeden Fall das Ziel. Ich habe bei den letzten Spielen Blut geleckt und fand es großartig. Das möchte ich noch einmal erleben. Und meine Rolle als Botschafterin für die FIL Rennrodel WM 2023 ist mir sehr wichtig. Ursprünglich wollte ich dort das Ende meiner Sportgeschichte schreiben, und das möchte ich auch so realisieren. Ich bin sehr froh, dass mein Partner mitzieht und von Beginn an gesagt hat, dass er mich unterstützt, wenn das mein Traum sei, und wir das gemeinsam irgendwie schaffen. Ich bin gespannt, ob unser Plan letztendlich aufgeht.

Nach Olympiasilber bist Du hochmotiviert in die Saison gestartet, und dann lief es nicht rund. Was ist falsch gelaufen?

Die Analyse ging eigentlich schon in der ersten Saisonhälfte los. Ich war total motiviert, habe mich komplett dem Sport verschrieben, hatte meine Ernährung radikal umgestellt, um wirklich fit zu sein und das Beste aus jedem Training rauszuholen. Ich wollte immer noch mehr und konnte mich selber gar nicht einbremsen. Mein Körper war kurz vor der Saison gut in Form, und dann kam der Einbruch. Meine persönliche Diagnose: Ich war im Übertraining, es war eine Überlastung da, ich war gerade in der Weltcupvorbereitung stetig krank. Zum Glück war ich gesetzt und konnte eigentlich entspannt in den Winter starten. Aber krankheitsbedingt war ich immer müde und ausgelaugt, wollte nach jedem Wettkampf nur noch nach Hause und meine Ruhe haben. 

Mir ging viel auf die Nerven, ich habe viele Gespräche gesucht mit Ärzten und Trainern und wusste nicht mehr, wie es weitergehen soll. Ich kannte diese Situation nicht und musste feststellen, dass ich mit 28 Jahren noch nicht ausgelernt habe. Mein Ziel war, irgendwann anzukommen, und ich dachte, ich hätte das nach Olympia geschafft. Dass es auch unter dem Aufwand, den ich betrieben habe, nicht funktioniert, und ich nur zwölfte bei der WM werde, das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich fragte mich, welcher Aufwand notwendig ist, um wirklich vorne reinzufahren, ohne dass ich meine Seele verkaufe. Ich sah ehrlich gesagt keine Zukunft mehr für mich, weil ich in der Zeit, in der ich am Sonntag bei Schneeregen einen Wettkampf fahre, um 25. zu werden, auch zu Hause bei der Familie sein oder studieren kann oder was machen, was mich ausmacht. Das Rennrodeln war es in dem Moment nicht. 

Du hast Dich fürs Weitermachen entschieden und mit deinem Wohnsitzwechsel auch die Gerüchteküche angeheizt…

Ich muss zunächst erklären, dass ich nach der Saison in einem Zustand war, in dem ich mich selbst nicht sehen wollte. Ich habe den Schlitten in die Ecke gestellt, bin keine Tests mehr gefahren, habe zwei Wochen nur im Bett gelegen und wollte nicht unter Menschen. Ich dachte mir, du wirst doch jetzt keine Depression haben oder ein Burn-out. Irgendwann kam der innere Antrieb wieder, und die Reise zu meiner Freundin nach Australien hat mir geholfen. Ich bin gerne unter Land und Leuten, sehe neue Dinge. Das hat mir sehr gut getan, und ich konnte richtig abschalten. 

Nach dem Urlaub kam der Stress wieder zurück, ich war müde und ausgelaugt. Mein Entschluss stand fest: Ich beende meine Karriere und finde einen neuen Weg, was zu gestalten. Natürlich habe ich unzählige Gespräch mit meinem Trainer geführt, habe erklärt, dass es mir leidtut, dass ich so nicht mehr weitermachen kann und dass ich mich in der Trainingsgruppe nicht mehr wohlfühle. Ich hatte das Gefühl, dass mein ganzes Potential nicht richtig ausgeschöpft wird. Ich war zwar athletisch für meine Verhältnisse gut, aber ich musste raus aus diesem Kosmos, der sich nur um Schlittensport dreht. 

Als ich auf dem Weg zum Bundestrainer nach Berchtesgaden war, um mit ihm persönlich zu sprechen, habe ich nochmal am Stützpunkt gestoppt. Dort hat man mir deutlich zu verstehen gegeben, dass man mich unbedingt halten möchte und gefragt, was mir wichtig wäre. Man hat mir ein Sabbatjahr und sogar einen Stützpunktwechsel angeboten, aber letzteres kommt für mich nicht in Frage. Ich bin und bleibe Thüringer Athletin! Auf der Weiterfahrt habe ich mit meinem Manager gesprochen und gesagt: Mir brennt es im Herzen, ich kann nicht aufhören, ich kann nicht so einfach gehen. Wir sind dann alle so verblieben, dass ich in jedem Fall nach München ziehe und es noch mal versuche. Meine Unterstützer haben mich alle so mitgerissen, dass ich meine Dankbarkeit auch damit ausdrücken wollte, dass ich alles daransetze, weiter zu machen. Und dann kam eine andere Nachricht dazwischen…

Du trainierst jetzt in München und Berchtesgaden. Wie hast Du Dich organisiert?

Ich trainiere nach meinem ursprünglichen Plan weiter. Ich habe von Ärzten und meiner Hebamme genaue Anweisungen, was ich nicht machen darf, aber ich absolviere ein ganz normales Athletiktraining und halte mich fit. Ich ziehe so lange wie möglich das technische Training durch, bin immer wieder auf dem Startblock und auf dem Laufband, um den Leistungsstand zu halten und weiterzukommen. Ich habe mich mit Yoga angefreundet und erhalte durch das Neurotraining mit Marc Uhlmann ganz neue Impulse. Ich fahre einmal die Woche nach Berlin und absolviere ein zehnwöchiges Basic-Training, was für mich zwar mit viel Aufwand verbunden ist, mir aber nicht schadet, sondern mir nächstes Jahr helfen wird, mein Training effektiver zu gestalten. 

Wie wird Dein sportliches Leben nach der Geburt aussehen?

Für mich ist das alles neu, und ich musste mich erstmal informieren. Es ist ja nicht nur ein hübsches, kleines Wesen, das man Betudeln kann, sondern ganz im Gegenteil: Das ist richtig Arbeit, was da auf mich zukommt. Wie es letztlich wird, weiß ich nicht, aber die Mama von meinem Freund, die in der Nähe von Berchtesgaden wohnt, kann unter der Woche mit einspringen. Bei allem was Laufen, Radfahren und so betrifft, möchte ich schon versuchen, das Kind dabei zu haben. Sobald es in die ernste Phase geht, übernimmt mein Freund die Elternzeit und wird mich im Winter tatkräftig unterstützen. Es wird dann wohl eher ein Papakind. 

 
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